Magnetrecycling
13.08.2026
Technologie
Das Ende eines Magneten ist nicht der Schrottplatz. Wer das denkt, verschenkt das Potenzial von morgen.
Fachgerechte Entsorgung, sichere Rückführung, nachhaltige Kreislaufwirtschaft
Magnetrecycling bei BRUGGER: Wie wir Seltene Erden im Kreislauf halten
Magnete sind unsichtbare Helden. Sie stecken in medizinischen Geräten, Windkraftanlagen und unterstützen viele technischen Anwendungen zum Beispiel im Maschinenbau oder der Sensorik. Doch was passiert mit ihnen, wenn sie ausgedient haben? Bei BRUGGER haben wir gemeinsam mit unserem Partner Rocklink eine Antwort gefunden: echte Kreislaufwirtschaft für Magnetmaterialien.
Warum Magnetrecycling jetzt wichtig ist
Fast alle Hochleistungsmagnete basieren auf Seltenen Erden wie Neodym, Praseodym und Dysprosium (Deshalb achten wir bei BRUGGER bereits bei der Beschaffung unserer Rohmagnete darauf, keine Legierungen mit schweren Seltenen Erden zu beziehen, wo immer es technisch möglich ist. Weniger kritisches Material bedeutet eine bessere Ökobilanz – und häufig auch weniger Abhängigkeiten). Diese Rohstoffe sind zum Beispiel auch das Rückgrat moderner Elektromotoren – ohne sie keine E-Mobilität, keine Windenergie, keine Wärmepumpen.
Das Problem:
-
Der Abbau erfolgt überwiegend in China unter erheblichen Umweltbelastungen
-
Europa ist zu über 90 % importabhängig
-
Bisher landen über 95 % aller Altmagnete im Stahlschrott – die wertvollen Seltenen Erden gehen unwiederbringlich verloren
Bei BRUGGER entstehen in der Fertigung unvermeidbar Magnetabfälle: Verschnitt, Ausschuss, überschüssige Rohmagnete. Früher wäre dieses Material verloren gewesen. Heute führen wir es konsequent in den Kreislauf zurück.
Unser Weg: Das Magcycle-System von Rocklink
Mit unserem Partner Rocklink (www.magnetrecycling.de) recyceln wir Magnetabfälle via Magcycle – effizient und kreislauffähig.
Es löst ein Problem, das Recycling bisher oft verhindert hat: die Logistik.
Die Herausforderung: Magnete sind schwierig im Transport
Magnetisierte Materialien unterliegen strengen Transportvorschriften (ADR, IATA). Rocklink hat dafür eine clevere Lösung entwickelt: Eine doppelwandige Spezialverpackung mit integrierten Abschirmblechen neutralisiert das Magnetfeld. So können wir unsere Abfälle als normales Paket versenden – einfach, sicher und rechtskonform.
So läuft der Prozess bei uns ab
|
Schritt |
Was passiert |
Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
|
1. Sammeln |
Wir trennen Magnetabfälle nach Legierungstyp (NdFeB, SmCo, AlNiCo) direkt am Arbeitsplatz |
Sortenreine Erfassung erhöht die Recyclingqualität |
|
2. Verpacken |
Spezialkartons mit Magnetabschirmung (bis zu 25 kg Schrottgewicht / max. 30 kg Bruttogewicht) |
Legaler Versand ohne Gefahrgut-Auflagen |
|
3. Versenden |
Rocklink organisiert Abholung oder wir nutzen Standard-Paketdienste |
Minimaler Aufwand für uns |
|
4. Analysieren |
Wiegung und Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) im Recyclingzentrum |
Transparente Dokumentation der Materialzusammensetzung |
|
5. Recyceln |
Vollständige Rückgewinnung der Seltenen Erden |
100 % der Wertstoffe bleiben im Kreislauf |
Mehr Informationen: www.magnetrecycling.de
Was passiert im Recyclingwerk? Der technische Prozess
Moderne Recyclingverfahren ermöglichen die vollständige Rückgewinnung aller enthaltenen Metalle in Neuware-Qualität. Der Prozess kombiniert mechanische, thermische und chemische Schritte:
Vom Magnetschrott zum neuen Magneten: Der Recyclingprozess Schritt für Schritt
Der Weg vom ausgedienten Magneten zum hochwertigen Sekundärrohstoff durchläuft mehrere aufeinander abgestimmte Verarbeitungsstufen.
Am Anfang steht der Magnetschrott – also Produktionsabfälle, defekte Magnete oder Altmagnete aus demontierten Geräten. Da diese Materialien oft noch stark magnetisiert sind, werden sie zunächst in speziellen Kammeröfen thermisch entmagnetisiert. Erst dadurch lassen sie sich sicher und effizient weiterverarbeiten.
Im nächsten Schritt erfolgt die mechanische Zerkleinerung: Backenbrecher zerkleinern das Material grob, anschließend mahlen Kugelmühlen es zu feinem Pulver. Dieses Pulver wird dann in einem Drehrohrofen oxidiert – ein prozesskritischer Schritt, der die nachfolgenden chemischen Reaktionen beschleunigt und die Ausbeute maximiert.
Nun beginnt die eigentliche hydrometallurgische Aufbereitung, bei der die verschiedenen Metalle chemisch voneinander getrennt werden. Dabei entstehen getrennte Stoffströme: Eisenverbindungen werden für die Stahlindustrie konditioniert, während wertvolles Cobalt als Cobaltchlorid ausgefällt wird und direkt in die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien fließt. Die Seltenen Erden – darunter Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium – werden über spezielle Extraktionsverfahren isoliert.
Diese separierten Seltenen Erden durchlaufen anschließend eine Kalzinierung in Tunnelöfen, bei der sie zu hochreinen Oxiden umgewandelt werden. Die Reinheitsgrade erreichen dabei verlässliche 3N- bis zu hochreinen 5N-Qualitäten (99,999 % Reinheit).
Im letzten Schritt werden die Oxide in einer Vakuuminduktionsschmelze zu neuen Ferro-Seltenerdlegierungen reduziert. Diese Legierungen können flexibel mit Primärmaterial kombiniert werden und dienen als Ausgangsstoff für die Herstellung neuer Hochleistungs-Permanentmagnete.
Der Kreislauf schließt sich – aus Abfall wird wieder Wertschöpfung.
Die wichtigsten Verfahren erklärt
|
Verfahren |
Funktionsweise |
Einsatzbereich |
|---|---|---|
|
Wasserstoffbehandlung |
Wasserstoff dringt ins Material ein und zerbricht die Kristallstruktur zu feinem Pulver |
Ideal für saubere, wenig oxidierte Produktionsabfälle |
|
Pyro- & Hydrometallurgie |
Thermische Vorbehandlung + chemische Trennung der Elemente |
Für verunreinigte oder verbaute Magnete. Kernverfahren von Rocklink – liefert die nach ISO 14021 zertifizierten Oxide. |
|
Solvent-Extraktion |
Flüssig-Flüssig-Trennung isoliert einzelne Seltene Erden (Nd, Pr, Dy, Tb) |
Hochreine Rückgewinnung für Neuproduktion |
Das Ergebnis: Die gewonnenen Seltenerdoxide erreichen Reinheitsgrade von 99,9 % und sind nach ISO 14021 als 100 % Recyclingmaterial zertifiziert. Sie können direkt mit Primärmaterial verschnitten werden, um neue Hochleistungsmagnete zu fertigen.
Die Vorteile im Überblick
Für die Umwelt
-
Bis zu 75 % weniger Energieverbrauch gegenüber der Primärgewinnung (Quelle: Schlussbericht Studie e-Recmet, Herausgeber EBP Schweiz AG)
-
Keine radioaktiven Rückstände (ein Problem beim Seltenerd-Abbau)
-
Vermeidung toxischer Abfallströme aus dem Bergbau
Für die Wirtschaft
-
Reduzierte Importabhängigkeit von asiatischen Lieferanten
-
Stabile Lieferketten durch europäische Kreislaufwirtschaft
-
Transparente Vergütung basierend auf aktuellen Metallpreisen
Für BRUGGER und unsere Kunden
-
Nachhaltigkeitsnachweis für unsere Produkte
-
Rechtssichere Entsorgung mit lückenloser Dokumentation
-
Minimaler Aufwand durch einfaches Sammelsystem
Rechtliche Sicherheit inklusive
Magnetschrotte gelten nach § 3 Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) rechtlich als Abfall. Das Magcycle-System stellt sicher, dass alle Vorschriften eingehalten werden.
Unser Fazit: Kreislaufwirtschaft kann funktionieren
Das Beispiel zeigt: Für Unternehmen wie BRUGGER ist die Technologie bereit und die Logistik durch starke Partner wie Rocklink praxistauglich gelöst. Was fehlt, ist oft nur das Bewusstsein – und der erste Schritt.
Bei BRUGGER haben wir diesen Schritt gemacht. Mit Rocklink als Partner schließen wir den Kreislauf für unsere Magnetmaterialien und leisten unseren Beitrag zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft.
Quellen und weiterführende Informationen
-
TU Darmstadt: Magnetrecycling – Nachhaltige Wiederverwendung von Seltenerden
tu-darmstadt.de -
Fraunhofer IWKS: Magnetrecycling lohnt sich
fraunhofer.de -
Fraunhofer IWKS: Recycling von Seltenerd-Permanentmagneten (PDF)
iwks.fraunhofer.de -
VDA: FAT-Schriftenreihe 387 – Recycling von Magneten
vda.de -
doobloo AG: Recycling von Seltenerdmagneten
doobloo.com -
Universität Duisburg-Essen: Recycling von Permanentmagneten (Dissertation)
uni-due.de -
CEP: Recycling grüner Zukunftstechnologien
cep.eu